Wie sich Coaching anfühlen kann

Neuorientierung 

Ein Teil von Nina weiss schon länger: So wie es gerade ist, passt es nicht mehr ganz. Sie ist Anfang dreissig, beruflich angekommen, und trotzdem ist da diese Unruhe. Nicht jeden Tag gleich stark, aber oft genug, dass sie abends schwer abschalten kann. Nina sagt im Kennenlerngespräch: „Ich habe das Gefühl, ich drehe mich im Kreis. Ich will etwas verändern, aber ich weiss nicht, wohin.“

​Im Coaching möchte Nina vor allem eines: Klarheit. Nicht sofort eine fertige Entscheidung, sondern Orientierung. Zu Beginn frage ich sie: „Woran würdest du merken, dass dir Coaching hilft?“ Nina antwortet: „Wenn ich ruhiger werde und endlich eine Richtung spüre.“

Wir starten im Wirklichkeitsraum und schauen auf die aktuelle Situation, ohne Druck, ohne „richtig/falsch“. Ich frage: „Wann ist die Unruhe am stärksten – und wann wird es leichter?“ Dadurch wird sichtbar, dass es nicht nur um „den Job“ geht, sondern um bestimmte Situationen, Erwartungen und wiederkehrende Gedanken. Nina erkennt Muster: wann sie Energie verliert, wann sie sich innerlich zurückzieht, und was sie bisher versucht hat, um das zu lösen.​

Dann machen wir Ressourcen sichtbar: „Was gelingt dir heute schon, trotz der Unruhe?“ und „Welche Situationen geben dir Energie?“ Nina merkt, dass es durchaus Momente gibt, in denen sie lebendig ist: wenn sie gestalten darf, wenn sie etwas Neues lernt, wenn sie eigenständig entscheiden kann.​

Um den nächsten Schritt greifbar zu machen, arbeite ich mit einer Skala: „Auf einer Skala von 0 bis 10 – wie klar ist dir deine Richtung heute?“ Nina sagt: „Eine 3.“ Die nächste Frage ist oft entscheidend: „Was macht es schon zu einer 3 und nicht zu einer 0?“ Plötzlich hat Nina Worte für das, was bereits da ist: Werte, Kriterien, kleine Hinweise.​

Wir entwickeln dann keine „perfekte Antwort“, sondern eine stimmige Vorgehensweise. „Was wäre ein nächster Schritt, der dich um einen Punkt weiterbringt, ohne dass du alles entscheiden musst?“ Nina entscheidet sich für ein kleines Experiment im Alltag: zwei Gespräche führen, gezielt fragen, beobachten, wie sich das anfühlt – und nicht mehr nur im Kopf vergleichen.​

In der Folgesession bringt Nina etwas mit, das man selten in einem einzigen Satz zusammenfassen kann: mehr Ruhe. Nicht, weil alles gelöst ist, sondern weil sie wieder Handlungsspielraum spürt. „Ich merke, ich muss nicht alles sofort wissen“, sagt sie. „Ich darf mir erlauben, den Weg zu testen.“ Und genau so beginnt Veränderung oft: nicht mit einer grossen Entscheidung, sondern mit Klarheit und einem stimmigen nächsten Schritt.

Nina

Erste Führungsrolle

Leo ist seit einigen Monaten Führungskraft. Fachlich war er immer sehr stark, zuverlässig und geschätzt. In der Führungsrolle fühlt sich vieles neu an: mehr Gespräche, mehr Erwartungen, mehr Spannungen. Er sagt im Coaching: „Ich will es gut machen, aber ich bin ständig unsicher. Und ich habe das Gefühl, ich muss alles im Griff haben.“​

Leo wünscht sich mehr Souveränität, ohne sich zu verstellen. Zu Beginn klären wir den Fokus: „Was wäre heute ein gutes Ergebnis für dich?“ Leo sagt: „Wenn ich weiss, wie ich klar sein kann, ohne hart zu werden.“​

Wir arbeiten mit einem typischen Beispiel aus seinem Alltag. Ich frage: „Was passiert in so einer Situation Schritt für Schritt?“ Leo beschreibt eine wiederkehrende Dynamik: Er übernimmt zu viel, korrigiert Dinge, will helfen und ist danach erschöpft und innerlich genervt. Gleichzeitig will er nicht „der Chef sein“, der Druck macht.​

Im Coaching schauen wir genauer hin: „Wofür bist du in deiner Rolle verantwortlich und wofür nicht?“ Diese Frage bringt oft Luft. Leo merkt: Er kann unterstützen, aber er kann nicht die Verantwortung anderer übernehmen. Dann prüfen wir, welche Muster ihn in die Fachrolle ziehen: „Woran merkst du früh, dass du gerade wieder reinkippst?“ So werden die Kipppunkte sichtbar.​

Auch hier hilft eine Skala: „Wie sicher fühlst du dich in dieser Situation, von 0 bis 10?“ Leo sagt: „Eine 4.“ Und dann: „Was machst du heute schon, das diese 4 möglich macht?“ Er entdeckt Stärken, die er selbst kaum würdigt: Ruhe bewahren, fair bleiben, präsent sein, gut zuhören.​

Im Lösungsraum entwickeln wir stimmige Handlungsoptionen, die zu Leo passen. Wir formulieren Sätze, die klar sind und trotzdem respektvoll, und wir überlegen, was ein realistisches Experiment für die nächste Woche sein könnte: ein Gespräch strukturierter führen, Erwartungen benennen, Fragen stellen statt zu retten. Leo nimmt sich vor, in einem Gespräch bewusst einen Schritt zurückzugehen und erst zu fragen, bevor er erklärt.​

In der nächsten Session berichtet er: „Es war ungewohnt, aber es hat Wirkung gezeigt.“ Er merkt, dass Klarheit nicht gleich Härte ist. Und dass Führung nicht bedeutet, alles besser zu wissen, sondern den Rahmen so zu gestalten, dass Mitarbeitende wachsen können. Leo geht mit einem neuen Satz aus dem Coaching: „Ich darf klar sein und trotzdem menschlich bleiben.“ Und das ist für ihn ein entscheidender Entwicklungsschritt.

Leo